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Ich bin ein begeisterter Motorradfahrer und mit dem Begriff „Cruisen“ verbinde ich das schaltfaule Dahingleiten mit einem gleichmäßig laufenden, drehmoment- und hubraumstarken Motorrad. Nach einem harten Arbeitstag sich einfach den Fahrtwind um die Nase wehen lassen und einfach abschalten - Das wollte ich.
Der „sanfte“ Boxer der Cruiser mit 98 Nm Drehmoment bei 3000 U/min und 61 PS bei
5000 U/min schien mir hierfür die besten Voraussetzungen zu haben.
Die bereits jetzt schon 6-jährige Laufzeit dieses Modells ließ auf ein technisch ausgereiftes Fahrzeug schließen.
Die Kombination aus emotionsweckenden Nostalgieanklängen mit viel Chrom und High-Tech-features (wie ABS, Vierventiltechnik, elektronische Kraftstoffeinspritzung, geregelter KAT, etc.) verführten mich zum Kauf dieses Motorrades bei einer BMW-Werksniederlassung.
Seit dem Juli 2002 besitze ich (39 Jahre alt) nun eine BMW R 1200 Cruiser Independant.
Zeitgleich kaufte sich mein Vater (69 Jahre jung) eine R 850 C Classic.Über das „Cruiser-Feeling“ und die „Freude am Fahren“
Schon kurz nach dem Kauf mußten wir jedoch feststellen, daß beide Motorräder einen unregelmäßigen, vibrationsreichen Motorlauf und ein Schieberuckeln (oder Konstantfahruckeln = KFR) vorallem in den niedrigen Drehzahlbereichen (geschätzt bei ca. 1500 - 3000 U/min) aufwiesen. Desweiteren war ein ungleiches Klappern der Ventile hörbar.
Selbst nach der 1000-km-Inspektion im August 2002 war eine Verbesserung weder spürbar noch hörbar.
Nach verschieden Anfragen bei unserer BMW-Werkstätte (BMW-Werks-Niederlassung) bekamen wir immer wieder zur Antwort, daß dies bei den Boxermotoren normal sei und daß es dafür keine Abhilfe gäbe, da die motorenspezifischen Werte elektronisch via Chip vorprogrammiert seien und es für die Werkstätten keine weitere Einstellmöglichkeiten gibt.
Ein entspanntes Cruisen auf der Landstraße war aber unter diesen Voraussetzungen nicht möglich. Im Stadtverkehr oder gar bei Schrittgeschwindigkeit mußte man dauernd durch ein Wechselspiel aus Kupplung-schleifen-lassen und gleichzeitigem Spielen am Gasgriff versuchen, den Motorlauf so in der Balance zu halten, damit zum einen der Motor nicht ausging oder zum anderen, daß man nicht wie von einem bockenden Wildpferd beinahe abgeworfen wurde. Freude am Fahren kam dabei bestimmmt nicht auf. „Reite niemals ein Pony, wenn du auf ein Pferd steigen kannst“2.) Lösungsversuche:
Die Cruiser war bestimmt nicht das erste Motorrad das ich besessen und gefahren habe,
aber es war meine erste BMW und es war das Motorrad mit den bis dahin schlechtesten Motorlaufeigenschaften.
Da ich mich mich damit nach wie vor nicht zufrieden geben konnte, stellte ich mein Motorrad in einer anderen BMW-Vertragswerkstatt vor. Der Chef-Mechaniker kam nach einer 15-minütigen Probefahrt zurück und attestierte meiner Cruiser modellspezifische Motorlaufeigenschaften. „Alles normal“, und „Geht nicht besser.“ Auf meine Anfrage ob es vielleicht doch an einer nicht ganz optimalen Synchronisation der beiden Zylinder liegen kann, bekam ich als Antwort:
„Eine bessere Synchronisation der Zylinder über die Drosselklappeneinstellung wäre bei der Cruiser sowieso nicht möglich, da diese nur über eine einzige, zentrale Drosselklappe verfüge.“ Desweiteren kam die Empfehlung, das Motorrad ruhig öfters mal zu „heizen“, „ans obere Limit zu gehen, dann würde der Motor mit der Zeit freier und würde dann auch besser laufen“.
Da ich mich mit den genannten Antworten nicht zufrieden geben konnte, wurde in dieser Werkstatt mit einem BMW-Werksingenieur ca. drei Wochen später ein Termin vereinbart.
Auch von diesem Herrn erhielten wir wieder die Antwort, daß das Motorverhalten im modellspezifischen Normbereich liegt und es keine Möglichkeiten zu Verbesserung gibt.
Ich dachte zu diesem Zeitpunkt: „Hätte ich doch lieber eine Japan-Cruiser oder eine Harley gekauft.“
Teils frustriert, teils resignierend, befaßten wir uns dann auch schon mit dem Verkauf beider Motorräder. Aber kann man jemand anderem ein Motorrad mit derart schlecht laufendem Motor verkaufen, ohne daß dies wiederum auf einen selbst ein schlechtes Licht zurückwirft?!
Daher entschloß ich mich dazu, selber die Ursachen des Problems herauszufinden.
Dabei konnten mir weder das BMW-Werkstattbuch noch diverse Reparaturanleitungen weitere Aufschlüsse oder Hilfestellungen liefern. Dann suchte ich im Internet und wurde fündig.
In verschieden BMW- und Boxerforen fand ich seitenweise - nein, megabyte-weise - ernstzunehmende Berichte von KFR-geplagten BMW-Motorradfahrern und deren Schilderungen ihrer Probleme mit ihren R- und K-Modellen und mit ihren Werkstätten.
Einerseits war die Fülle der Berichte erschreckend, andererseits beruhigte mich dies aber, da es also nicht nur mir und meinen Vater so ergangen war.
Ebenso fand ich im Internet die unterschiedlichsten Empfehlungen zur Beseitigung des KFR-Problems: von Chiptuning, Einbau anderer Luftfilter, Verwendung anderer Zündkerzen, bis hin zum nachträglichen Einbau einer Doppelzündung u.v.m. .
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